Nutzfahrzeugverkäufe im Juni 2025

Elektro-Anteil steigt, aber Absatz schwächelt

Auch im Juni bleibt der Schweizer Markt für Nutzfahrzeuge unter Druck – die Bilanz von 18'589 neuimmatrikulierten Lieferwagen, LKW und Personentransportfahrzeugen in der ersten Jahreshälfte liegt satte 17,2 Prozent hinter dem Vorjahreswert. Unsicherheiten bezüglich Wirtschaftsentwicklung, aber auch regulatorischen Rahmenbedingungen hemmen die Investitionsfreude. Positiv indes: Der Anteil elektrisch betriebener LKW verzeichnet eine deutliche Zunahme.
Publiziert: 21. Juli 2025

Von

AGVS-Newsdesk


										Elektro-Anteil steigt, aber Absatz schwächelt
Trotz sinkender Anzahl an Neuzulassungen bei den Nutzfahrzeugen nimmt der Anteil der elektrischen Lastwagen hierzulande weiter zu. Foto: Mercedes

Der Schweizer Markt für neue Nutzfahrzeuge bleibt zur Jahresmitte 2025 unter Druck. In den ersten sechs Monaten wurden insgesamt 18’589 neue Lieferwagen, LKW und Personentransportfahrzeuge in Verkehr gesetzt – ein markanter Rückgang von 17,2 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode (22’440 Fahrzeuge). Ursache für den Einbruch sind vor allem die konjunkturellen Aussichten und die regulatorischen Rahmenbedingungen. Unsicherheiten im Bereich der verschärften CO2-Grenzwerte für Neufahrzeuge, der beabsichtigten Änderung der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) für die Abklassierung von Antriebsvarianten oder auch die US-Zollpolitik lassen keine Investitionsfreude aufkommen. Dennoch gibt es ebenfalls positive Signale: Der Anteil elektrisch betriebener Lastwagen ist deutlich gestiegen.

 

Zögerliche Investitionen – auch bei Campern

Der Rückgang betrifft alle Fahrzeugsegmente, auch die Wohnmobile. Ihre Zahl hat sich gegenüber dem Vorjahr um über ein Viertel verringert – ein deutliches Zeichen dafür, dass der durch die Corona-Pandemie ausgelöste Campingboom endgültig vorbei ist. Die Unternehmen sind zögerlich bei Ersatzinvestitionen: Die unsichere Weltwirtschaftslage führt dazu, dass viele Betriebe auch Investitionen in neue, emissionsarme Fahrzeuge aufschieben.

 

E-Lastwagen gewinnen an Boden

Trotz des insgesamt schwachen Marktes steigt die Nachfrage nach Elektro-Lastwagen weiter an. 17,2 Prozent aller neuimmatrikulierten schweren Nutzfahrzeuge (über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht) im ersten Halbjahr 2025 waren vollelektrisch betrieben – ein neuer Höchstwert. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2024 lag dieser Anteil noch bei 8,4 Prozent. Grund für die grosse Nachfrage ist das breit ausgebaute Produktsortiment, die noch bestehende Befreiung von der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) für emissionsfreie LKW sowie die anteilige Kompensationsmöglichkeit des Nutzlastverlustes. Das macht elektrische Antriebe im Transportgewerbe gesamtbetriebskostentechnisch attraktiv bei gleichzeitigem Erhalt der Transportkapazität durch den schweren Antrieb.

 

Lieferwagen als Konjunkturbarometer

Auch bei den leichten Nutzfahrzeugen (Lieferwagen und leichte Sattelschlepper bis 3,5 Tonnen) ist die Zahl der Neuzulassungen deutlich gesunken: 13’539 Fahrzeuge wurden im ersten Semester registriert, das entspricht einem Rückgang von 15,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Zurückhaltung der Konsumentinnen und Konsumenten hat sich damit noch verstärkt. Diese Fahrzeugklasse kann als Konjunkturbarometer für die wirtschaftliche Stimmung gewertet werden, weil insbesondere Handwerker, kleine sowie mittlere Unternehmen (KMU) auf diese Fahrzeuge für Lieferdienste, Werkzeug- oder Materialtransporte nicht verzichten können. Erfreulich ist, dass der Marktanteil von reinelektrischen Lieferwagen im ersten Halbjahr 2025 auf 10,7 Prozent stieg (Vorjahr: 5,8 Prozent). Neu kommen auch Plug-in-Hybride vermehrt zum Einsatz, die nun bei leichten Nutzfahrzeugen einen Marktanteil von 1,3 Prozent erreichen.

 

Branche fordert verlässliche Rahmenbedingungen

Thomas Rücker, Direktor von Auto-Schweiz, sieht die Entwicklungen mit gemischten Gefühlen: «Dass der Marktanteil der reinelektrischen Lieferwagen und LKW steigt, ist sehr erfreulich. Dass gleichzeitig der Gesamtmarkt zurück geht, ist äusserst besorgniserregend. Ebenso bereitet uns die politische Realität grosse Sorgen. Die CO2-Zielwerte wurden ab 2025 verschärft, gleichzeitig fehlen verlässliche und unterstützende Rahmenbedingungen – etwa beim Schnellladenetz für Lastwagen, dem Schutz von langfristigen Investitionen, beispielsweise mit dem Ausblick auf die LSVA-Abklassierungen, oder auch der Energiebepreisung. Es braucht daher zwingend umfassende Anreize für den Umstieg auf emissionsarme Fahrzeuge.»

Insbesondere die rückwirkende Einführung der CO2-Verordnung durch den Bundesrat kritisierte die Branche mehrfach scharf. Rücker fordert, dass bei künftigen Regulierungen mehr Rücksicht auf wirtschaftliche Realität und Investitionszyklen genommen wird. Dies ist insbesondere jetzt angezeigt, weil zum einen durch eine Neuregelung die Attraktivität reinelektrischer Lieferwagen gesteigert werden soll. Zum anderen wird bald über eine Anpassung der LSVA im Parlament beraten. Jegliche Fehler bei der Regulierung werden den Güterverkehr jäh treffen, entweder in einem frühzeitigen Verkaufsstopp von Euro-VI-Fahrzeugen oder einer schlechteren Rentabilität für den Unternehmer beim Kauf von reinelektrischen Antrieben.

 

Ausblick: Vorsichtiger Optimismus

Trotz aller Herausforderungen geht Auto-Schweiz für das Gesamtjahr 2025 von einer leichten Markterholung im zweiten Halbjahr aus. Die Mitglieder schätzen den Gesamtmarkt auf insgesamt 28’000 leichte und 3900 schwere Nutzfahrzeuge ein – vorausgesetzt, die geopolitische Lage verschlechtert sich nicht weiter und die Nachfrage nach klimafreundlicher Logistik bleibt bestehen. Der Transformationsprozess zu alternativen Antrieben sei unumkehrbar eingeläutet, so Rücker: «Und mit den anstehenden politischen Geschäften können endlich stabilere Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit der Strassengüterverkehr einen entscheidenden Beitrag zur Defossilisierung leisten und gleichzeitig ein wichtiger Pfeiler der Schweizer Wirtschaft bleiben kann.»